Kurztrip nach Longyearbyen / Spitzbergen

Kurztrip nach Longyearbyen / Spitzbergen

Schon der Anflug nach Longyearbyen, dem Hauptort Spitzbergens, ist überwältigend und bietet bei klarer Sicht eine grandiose Aussicht auf die vergletscherte Gebirgslandschaft. Der Insel-Archipel Svalbard, dessen Hauptinsel Spitzbergen ist, liegt nur noch knappe 1.000 km vom Nordpol entfernt. Bereits am Flughafen wird unsere kleine Reisegruppe von einem eisigen Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt empfangen.

Svalbard Global Seed Vault

Am 17. Mai 2014, also pünktlich zum norwegischen Nationalfeiertag, wurden in  Longyearbyen, dem Hauptort des Insel-Archipels, die ersten Plus-Grade des Jahres gemessen. Die Natur präsentierte sich uns grau in grau und auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel versuchte ich bereits herauszufinden, worin der Reiz der Insel wohl liegen mochte. Wir passierten den Kohlehafen, sahen im Hang die von Bill Gates „hauptgesponserte“ Global Seed Vault (Weltuntergangs-Samenbank) liegen, die der Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich ist, bevor wir den Kreuzfahrthafen erreichten und kurze Zeit später auch das Zentrum von Longyearbyen.

Fußgängerzone Longyearbyen

Longyearbyen ist mit ca. 2.000 Einwohnern der größte Ort auf Spitzbergen, gefolgt vom russischen Barentsburg mit ca. 500 Einwohnern. Insgesamt leben etwa 2.700 Menschen auf dem Svalbard-Archipel, dessen einzig bewohnte Insel Spitzbergen ist. In Longyearbyen befindet sich das administrative Zentrum Svalbards und auch der Sysselmannen hat sein Büro hier. Des Sysselmannens Rolle gleicht der eines Gouverneurs und ihm obliegt die oberste Befugnis auf Svalbard. Kindergärten und Schulen, darunter auch ein Teilbereich der Universität Tromsø, diverse Hotels, Restaurants und Pubs sind hier ebenso zu finden wie ein Krankenhaus, eine kleine Fußgängerzone mit Einkaufsmöglichkeiten, Apotheke und Friseur oder das Kulturzentrum sowie zahlreiche Anbieter von Ausflügen und Aktivitäten. Und: Jedes Angebot kann sich mit dem Superlativ “das nördlichste der Welt” schmücken.

Schneemobile - Fortbewegungsmittel Nr. 1

Im Hotel angekommen, folgten wir der Bergbau-Tradition und zogen unsere Schuhe aus, um unsere Zimmer auf leisen Sohlen zu erreichen. Nach dem Check-In und einem Getränk an der Bar zu unerwartet günstigen NOK-Preisen erfahren wir, dass Svalbard mehrwertsteuerfrei ist. So ist es auch zu erklären, dass Frischeprodukte, die vom Festland importiert werden müssen, teurer sind als der Liter “sprit”. Apropos Sprit – auch das Tanken ist auf Spitzbergen ein vergleichsweise günstiges Vergnügen. So starteten wir unsere Rundfahrt auch mit dem Mietfahrzeug. Alternativ hätten wir auch mit dem  Motorschlitten fahren können, immerhin gibt es 2.672 Stück davon, allerdings machte uns die bereits eingesetzte Schneeschmelze hier einen Strich durch die Rechnung.

Wir steuerten das sehenswerte und informative Svalbard-Museum an und erfuhren Wissenswertes und Interessantes über die Gründung Longyearbyens, den bis heute betriebenen Kohleabbau, die arktische Flora und Fauna, die ersten Kreuzfahrttouristen, aber auch darüber, wie es sich als Mensch im Eis lebt. Wie fühlt sich zum Beispiel das Leben in einer ehemals männerdominierenden Gesellschaft im 21. Jahrhundert an und welche Gründe veranlassen Jugendliche, die die Insel für “höhere” Schulbesuche verlassen müssen, anschließend wieder zurück zu kehren? Welchen Einfluss haben die Mitternachtssonne und die Polarnacht auf Mensch und Tier etc.? Das Museum ist allen Besuchern von Longyearbyen zu empfehlen, wobei die Beschreibung und Ausschilderung im Museum nur auf Norwegisch und teilweise auf Englisch erfolgt (Audio-Guides stehen zur Verfügung).

Friedhof Longyearbyen

Später erreichten wir die Kirche des Ortes und den Friedhof. Die Kirche ist nicht nur für Gottesdienste geöffnet, sondern dient auch als Treffpunkt und Raum für Zusammenkünfte. Ich erfuhr, dass auf dem Friedhof nebenan schon seit den 30-iger Jahren keine Erdbestattungen mehr genehmigt wurden, da der Permafrost jegliche Verwesung verhindert. Während ich noch überlegte, ob Spitzbergen ein guter Ort ist, um in Ruhe zu altern, wurde ich abrupt in meinem Gedankengang unterbrochen, da ich plötzlich und unerwartet, dafür aber knöcheltief im matschigen Gras versank. Für ein gutes Foto ist bekanntlich kein Weg zu weit, aber für robustes Schuhwerk war in meinem Handgepäck kein Platz. Gutes Schuhwerk ist allerdings für jede Spitzbergen-Reise unabdingbar und gehört genauso mit ins Gepäck wie ein längerer Anorak, Mütze, Schal und Handschuhe.

Blick auf Longyearbyen

Auf dieser Anhöhe mit Blick auf Longyearbyen erschloss sich mir erstmals der Zauber dieses unwirtlichen Ortes. Ein Kleinod, zugegebenermaßen ein bizarres, keine Schönheit, sondern rau und schroff. Aber umgeben von einem unwiderstehlichen Licht, das Farben zelebriert und Herzen wärmt. Die Gemeinschaft der Einwohner untereinander wird als „strong“ bezeichnet. Zahlreiche Saisonarbeiter verlängern ihre Arbeitsverträge und so werden aus den geplanten 3 Monaten oftmals durchschnittliche 6,3 Jahre.

Ich fühlte mich wie in ein Vakuum gepackt – umhüllt von gigantischer Stille, eindrucksvoller Gelassenheit, unverbrauchter Natur und eisklarer Luft! Diese pure Reizarmut ermöglicht den Blick auf das Wesentliche und lässt verschüttete Instinkte wieder zum Vorschein kommen. Auf seine Instinkte zu vertrauen, kann in einer Region, in der latente Eisbärengefahr herrscht, überlebenswichtig sein. Außerhalb der geschützten Zonen in den Siedlungen sollte man nur bewaffnet unterwegs sein oder sich organisierten Ausflügen anschließen. Denn immer wieder kommt es zu verhängnisvollen Begegnungen zwischen Mensch und Eisbär.

P.S. Die landschaftlichen Highlights Svalbards sind außerhalb Longyearbyens zu finden, so zum Beispiel der eindrucksvolle Magdalenenfjord mit dem imposanten Monaco-Gletscher, der Woodfjord und Liefdefjord etc.

Diesen Artikel hat geschrieben:

Silke Hartmann

E-Mail: hartmann@trolltours.de
Telefon: 02982-92210

Zögern Sie nicht, mich bei Fragen anzusprechen.

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